Prof. Jan Dettmers im SAT.1-Frühstücksfernsehen: Wie wir mit schleichender Mehrarbeit umgehen sollten

Was für ein besonderer Morgen! ☀️

Am Montagmorgen war unser lieber Kollege und Co-Gründer Prof. Jan Dettmers zu Gast im SAT.1-Frühstücksfernsehen und hat im Interview (mit Christian Wackert) ein Thema beleuchtet, das vermutlich mehr Menschen betrifft, als ihnen bewusst ist: „Quiet Hiring“.

Was steckt dahinter? Wenn Stellen unbesetzt bleiben, werden die Aufgaben häufig im Team verteilt. Was zunächst nach einer pragmatischen Lösung für den Fachkräftemangel klingt, kann jedoch schnell zu einer schleichenden Mehrbelastung werden.

Mehr Arbeit zu gleichen Konditionen – warum machen Beschäftigte das mit?

Wie das „Quiet“ im Begriff schon vermuten lässt, handelt es sich um einen schleichenden Prozess. Neue Aufgaben kommen Schritt für Schritt hinzu. Zunächst vielleicht nur vorübergehend, als kollegiale Unterstützung oder um eine Vakanz zu überbrücken. Wir tun, was die Chefin oder der Chef uns sagt – schließlich gehört das Weisungsrecht zum Arbeitsverhältnis. Und irgendwann sind die zusätzlichen Aufgaben einfach da und werden nicht mehr hinterfragt.

Dabei muss „Quiet Hiring“ nicht grundsätzlich schlecht sein. Neue Aufgaben können auch Entwicklungschancen bieten. Sie können neue Kompetenzen fördern, mehr Verantwortung ermöglichen oder sogar ein Sprungbrett für den nächsten Karriereschritt sein.

Entscheidend ist, wie damit umgegangen wird: Wenn der Arbeitsumfang wächst, sollten auch entsprechend Qualifizierung, Anerkennung und gegebenenfalls die Vergütung entsprechend berücksichtigt werden.

Kritisch wird es dort, wo aus Entwicklung dauerhaft Überlastung wird. Wenn die Aufgaben nicht mehr innerhalb der regulären Arbeitszeit zu schaffen sind, regelmäßig Pausen ausfallen, Überstunden zur Normalität werden oder Arbeit mit nach Hause genommen wird, stimmt das Verhältnis zwischen Arbeitsmenge und verfügbarer Zeit nicht mehr.

Und das bleibt nicht ohne Folgen: Dauerhafte Mehrarbeit und Arbeitsintensivierung können sich negativ auf die psychische und körperliche Gesundheit auswirken – kardiovaskuläre Erkrankungen, Burnout und Ängste können unter anderem die Folge sein. Gleichzeitig leiden Konzentration und Arbeitsqualität, Fehler und Arbeitsunfälle können zunehmen und nicht selten denken Beschäftigte über eine Kündigung nach.

Jans zentrale Botschaft: Neue Aufgaben können eine Chance sein – aber Mehrarbeit darf nicht einfach „quiet“ bleiben. Sie sollte offen angesprochen, gemeinsam gestaltet und mit passenden Rahmenbedingungen verbunden werden.

Ein spannendes Interview zu einem Thema, das mitten in unserer Arbeitswelt angekommen ist. Danke, Jan, für die wichtigen Impulse und den gelungenen Auftritt! 👏

➡️ Hier geht es zur Sendung: https://shorturl.at/6ZWTV

Jan Dettmers

Diplom-Psychologe, Leiter des Lehrstuhls Arbeits- und Organisationspsychologie der Fakultät für Psychologie der FernUniversität Hagen und Gründer von EVAO.

Sein Forschungsschwerpunkt ist die Gestaltung gesunder Arbeit, was sich in zahlreichen Publikationen und Referenzprojekten widerspiegelt. Jan Dettmers ist Schöpfer eines re­nom­mierten Analysetools, des wissen­schaftlich validierten Fragebogens zur Gefährdungs­beurteilung psychischer Belastungen (FGBU; Dettmers & Krause, 2020) und verfügt über umfangreiche Erfahrung aus zahlreichen Forschungs- und Praxisprojekten zur Gefährdungs­beurteilung psychischer Belastungen.

Darüber hinaus verfügt er als systemischer Organisations­entwickler über langjährige Expertise in der Beratung von Unternehmen bei der Arbeitsgestaltung und in Veränderungs­prozessen.