„Soft Off Days“: Was hinter dem Social-Media-Trend im Homeoffice wirklich steckt – Jan Dettmers im Interview mit der FR

Heimlich ein paar Stunden kürzertreten, während die Statusanzeige auf grün bleibt: Was in sozialen Medien als „Soft Off Days“ gefeiert wird, sorgt in vielen Führungsetagen für Unverständnis. Der Vorwurf: Mangelnde Arbeitsmoral.
Aus arbeitspsychologischer Sicht greift das deutlich zu kurz. Im Interview mit der Frankfurter Rundschau ordnet EVAO-Mitgründer Prof. Dr. Jan Dettmers das Phänomen ein:

  • Biologische Grenzen akzeptieren: Acht Stunden volle Konzentration ohne Leistungseinbußen sind biologisch unmöglich. Ab der achten Stunde steigen Fehlerquoten und Unfallrisiken bekanntlich exponentiell.

  • Heimliche Pausen erholen nicht: Wer nebenbei Mails checkt oder Erreichbarkeit simuliert, bleibt in dauerhafter Anspannung. Echte Erholung braucht bewusste, konfliktfreie Unterbrechungen.

  • Systemfragen statt Schuldzuweisung: Wer nur auf Kontrollen oder die rechtlichen Risiken von Arbeitszeitbetrug pocht, übersieht die Ursache. „Soft Off Days“ zeigen, dass im normalen Arbeitsablauf echte Erholungsphasen fehlen.

Fazit: Statt Präsenzdruck und Kontrolle brauchen Organisationen eine gesunde Pausenkultur, ergebnisorientierte Führung und eine evidenzbasierte Arbeitsgestaltung – etwa durch die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung (GBU).

Zum vollständigen Artikel in der Frankfurter Rundschau

Jan Dettmers

Diplom-Psychologe, Leiter des Lehrstuhls Arbeits- und Organisationspsychologie der Fakultät für Psychologie der FernUniversität Hagen und Gründer von EVAO.

Sein Forschungsschwerpunkt ist die Gestaltung gesunder Arbeit, was sich in zahlreichen Publikationen und Referenzprojekten widerspiegelt. Jan Dettmers ist Schöpfer eines re­nom­mierten Analysetools, des wissen­schaftlich validierten Fragebogens zur Gefährdungs­beurteilung psychischer Belastungen (FGBU; Dettmers & Krause, 2020) und verfügt über umfangreiche Erfahrung aus zahlreichen Forschungs- und Praxisprojekten zur Gefährdungs­beurteilung psychischer Belastungen.

Darüber hinaus verfügt er als systemischer Organisations­entwickler über langjährige Expertise in der Beratung von Unternehmen bei der Arbeitsgestaltung und in Veränderungs­prozessen.